Rede von Marie-Louise Hänsel an der Gedenktafel für die Befreiung Rostocks am 1. Mai 2018

Liebe Freunde,

ich begrüße Euch recht herzlich im Namen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschisten zu unserer kleinen Kundgebung hier am Denkmal für die Zwangsarbeiter, die aus ganz Europa kamen.

Für Rostock ist der 1. Mai nicht nur der Tag der Arbeit, wie es heute heißt, sondern der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus.

Am 1. Mai vor 73 Jahren zog die Sowjetarmee unter Gardekapitän Semjon Dmitrewski in unsere Heimatstadt ein. Dank sehr mutiger Menschen, denen wir auch heute noch unsere Referenz erweisen, wurde unsere Stadt kampflos übergeben. Sie befolgten die Anordnung der Nazis, die Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen, nicht, sondern hissten weiße Flaggen. Die Mühlendammbrücke wurde aber noch gesprengt, als sich gerade ein sowjetischer Panzer darauf befand. Erst vor einigen Jahren wurden die sterblichen Überreste der Sowjetsoldaten auf dem Puschkinplatz beigesetzt.

Am 1. Mai befreiten die Sowjetischen Soldaten und Offiziere nicht nur die Rostocker Bevölkerung von dem Terror der Faschisten, sondern auch 400 alliierte Kriegsgefangene und mehrere Tausend Bürger aus den eroberten Gebieten der Hitler-Wehrmacht, die zur Arbeit in den Hallen der Heinkel-Flugzeugwerken gezwungen wurden. Bei den Luftangriffen durften diese Menschen die Luftschutzanlagen nicht benutzen. Für sie standen nur Splittergräben zur Verfügung. Und für die Versuche zur Entwicklung des Schleudersitzes, auf die so mancher heute stolz ist, wurden KZ-Häftlinge aus Sachsenhausen eingesetzt.

Wenn auch das Heinkelwerk über 1900 Patente anmeldete, so bleibt doch bestehen, dass Heinkel kein Ruhmesblatt für unsere Stadt war. Dass Rostock zu den ersten deutschen Städten gehörte, die flächendeckend bombardiert wurden, haben wir u.a. Heinkel zu verdanken.

Zur Bilanz des Krieges gehören auch in Rostock die Toten der Bombardierungen, die gefallenen Soldaten und die völlige Zerstörung von 2611 Wohnhäusern, die Beschädigung von 6.735 Wohnhäusern, die Zerstörung des Stadttheaters, des Post- und Telegrafenamtes, von zwei Kliniken und drei Schulen, die Zerstörung der Petrikirche, der Nikolaikirche und der Jakobikirche sowie des Steintors und des Petritors.

Zur Bilanz des Krieges gehört aber auch die Vernichtung der Jüdischen Gemeinde. Von den 350 Rostocker jüdischen Bürgern überlebten den Terror nur 14. Zu ihnen kommen die Widerstandskämpfer aus allen Schichten der Rostocker Bevölkerung, die in den Konzentrationslagern und Zuchthäusern ermordet wurden und die Zwangsarbeiter, die in unserer Stadt ihr Leben verloren.

Wir wollen heute und hier aller Opfer des Faschismus gedenken und die Lehre bekräftigen:

Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg!

Die Partei die Linke in Rostock hat eine Karte an Angela Merkel entworfen, auf der Dr. Carsten Penzlin, der Kreisvorsitzende, u.a. schreibt: Sie haben den völkerrechtswidrigen Raketenangriff auf Syrien begrüßt- Nicht in meinem Namen!!! In meinem auch nicht. Am Stand der LINKEN auf dem Kastanienplatz sind diese Karten zu erhalten. 20.000 hat die Partei davon gedruckt. Kommen Sie mit zur Mai-Demonstration. Wir holen uns die Karten und geben sie weiter. 90 Prozent der Bürger sind mit dieser Meinung der Bundeskanzlerin nicht einverstanden. Wir gehören dazu. Ich danke für die Aufmerksamkeit.

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