Eine Reise nach Kopenhagen

Besuch bei Aktivisten der dänischen antifaschistischen Widerstandbewegung

Am 14. September reiste eine Gruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Rostock nach Kopenhagen um die jahrzehntelange Freundschaft mit den Widerständlern Dänemarks zu erneuern.

Frede Klitgaard, der wegen Widerstandes gegen die deutsche Besetzung Dänemarks als Häftling in Dreibergen-Bützow eingekerkert war und nach 1945 Vorsitzender der Widerständler in Dänemark n wurde, hatte uns mehrfach mit weiteren Kameraden in Rostock besucht und uns Rostocker unterstützt. Nun, nach seinem Ableben lernten wir eine Gruppe der Widerstandsbewegung Dänemarks kennen, die in seinem Sinne seine Arbeit fortsetzt So gibt eine aktive antifaschistische Gruppe weiterhin die antifaschistische Zeitung „Handslag“ heraus und mischt sich aktiv in das politische Geschehen im Kampf gegen Kriegspolitik und für die Abschaffung von Atomwaffen ein.

Wir trafen uns mit ihnen im antifaschistischen book-shop, der sich mitten in Kopenhagen befindet. Von dort fuhren wir zu der Gedenkstätte „Mindelunden“ ( Gedenkhain). Es handelt sich um eine große von einem Waldstück umgebene Parkanlage, die bereits am 29. August 1945 eingeweiht und in den folgenden Jahren weiter ausgebaut wurde.

Sie erinnert an 3146 Freiheitskämpfer, die im Kampf gegen die Besetzung Dänemarks ihr Leben gaben. Darunter befinden sich 337 Opfer, die in KZ umgekommen oder an Folgen verstorben sind, 1711 Seeleute und Fischer, die auf Seiten der Alliierten kämpften oder während illegaler Betätigung umgekommen sind. Auch an weitere 4551 infolge des Krieges Umgekommene, wird erinnert.
Mit besonderem Stolz zeigten sie uns ein erst kürzlich, am 29. August 2017 eingeweihtes Denkmal, das an die große Zahl der gefallenen Seeleute und Fischer erinnert. Sie hatten lange darum gekämpft, es realisieren zu können. Erwähnt sei, dass es vor allem Fischer waren, die die Flucht von 6000 bis 7000 dänischen Juden ins Ausland mit Einsatz des eigenen Lebens bewerkstelligten.

Im book-shop, in dem auch die reichhaltige Bibliothek von Frede Klitgaard ihren Platz fand, tauschten wir dann Erfahrungen aus. Regine Lück berichtete über unsere Vorhaben in Rostock und lud die Freunde zum Gegenbesuch ein. Die dänischen Freunde beklagten, dass es nach der Brandstiftung und Vernichtung des Museums „Dänischer Freiheitskampf von 1941 bis 1945“ beim geplanten Neuaufbau Bestrebungen gibt, das ursprüngliche Anliegen, den Widerstand und die Opfer der Besatzungszeit in den Mittelpunkt zu stellen, zu verwässern.
Es wurde das Ansinnen abgewehrt, in die Gedenkstätte Gefallene von NATO-Einsätzen aufzunehmen.

Dabei hoffen sie auch auf unsere Unterstützung, wie wir auf die ihre bei der Bekämpfung rechter rassistischer Bestrebungen bei uns rechnen. Mit der Versicherung gegenseitiger Solidarität traten wir die wegen eines größeren Sturmes erschwerte Heimreise nach Rostock an.
Johanna Jawinsky

Wir, die Mitglieder der Gruppe der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Rostock (VVN-BdA)begrüßen das Bestreben, das zerstörte Museum in Kopenhagen neu aufzubauen. Wir hoffen und wünschen, dass sein Mittelpunkt der Widerstandskampf gegen die deutsche faschistische Aggression bleiben möge.
VVN-BdA Rostock Regine Lück

Die dänischen Freunde, die uns begleiteten:
Ebbe Riis
Benjamin Gottberg
Jan Nielsen

Danmarks Mindelungen
Aus der Broschüre über die Gedenkstätte:
„Ziehe deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort darauf du stehst, ist heiliges Land“ mit diesen Worten des Alten Testamentes wurde der Mindelund eingeweiht.
Für das dänische Volk ist es ein Ort tiefster Verehrung, und wir entblößen unser Haupt, wenn wir ihn betreten. Nicht zufällig wählte man diesen Platz. Hier an dieser Stelle haben die Nazis ihre Opfer hingerichtet und begraben. Hier sammeln sich unsere Gedanken um die Taten jener, die starben, damit wir in Freiheit leben können.

…Auf einer Tafel stehen die Worte des Dichter-Pfarrers Kaj Munk, der von den Nazis ermordet wurde
„Jungens, ihr Jungen, die ihr starbet,
ihr habt für Dänemark in seiner dunkelsten Stunde,
ein leuchtendes Morgen entfacht.

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