Bericht über die Busfahrt nach Hamburg – Samstag, 17.06.2017

Von Günter Althaus

Zu unserer Gedenkstättenfahrt nach Hamburg

Fotos Harald Karger

Am 17. Juni 2017 fand in der Zeit von 7:30 Uhr bis 20:30 Uhr unsere Gedenkstättenfahrt nach Hamburg statt, die Frau Dr. Johanna Jawinsky und Jürgen Weise schon vor drei Jahren nach unserer Fahrt zur KZ-Gedenkstätte nach Sachsenhausen angeregt hatten.

Anneliese Schulz und Jörg Theska hatten sich um den Bus gekümmert, und die Firma Specht “Warnemünder“ ausgewählt, für unsere Fahrt bei den nicht per e-mail erreichbaren Mitgliedern geworben, und die Namensliste der Mitreisenden angelegt.

Mit 36 Mitgliedern und Sympathisanten im Alter zwischen 22 und 87 Jahren fuhren wir vom Rostocker ZOB am Hbf los.

Jürgen Weise hatte im Vorfeld die Stationen in Hamburg mit Ilse Jacob, einem Vorstandsmitglied der VVN-BdA Hamburg, abgesprochen.

Kameradin Jacob hatte sich bereit erklärt, den Busfahrer durch die Stadt zu lotsen und uns zu wichtigen Gedenkorten der Stadt zu bringen.

Ilse Jacob ist die Tochter des kommunistischen Widerstandskämpfers Franz Jacob, der am 18.September 1944 im Zuchthaus Brandenburg ermordet wurde.

Nach ihm ist in Rostock die Franz-Jacob-Straße in Reutershagen benannt. Das geschah selbstverständlich in der DDR. (Siehe hierzu den Artikel von Jürgen Weise)

Wir besuchten in Hamburg zuerst das “Denkmal Kindertransporte“ am Dammtor-Bahnhof, von dem die Kinder  in die Vernichtungslager transportiert wurden.

Der Abschied der Kinder ist dort eindrucksvoll dargestellt, mit den wenigen kleinen Köfferchen, Spielsachen und Musikinstrumenten, die sie mitnehmen durften.

Die “arischen“ Kinder hatten schulfrei und die jüdischen Kinder wurden aus dem Unterricht geholt und zu diesem Bahnhof gebracht.

Danach gingen wir zu einem der wenigen Deserteur-Denkmäler in Deutschland.

In ganz Deutschland wurden zwischen 1939 und 1945 20.000 bis 40.000 Männer ermordet, die die Teilnahme am Eroberungskrieg der Nazis verweigerten.

In Hamburg waren es allein 300, die in der BRD noch bis in die 60er Jahre allgemein als Landesverräter angesehen wurden.

Für viele CDU-Bundestagsabgeordnete galt das noch bis in die jüngste Zeit, mir fällt dabei insbesondere der widerliche Hetzer gegen die Deserteure, Norbert Geis, ein, so dass erst 2009 diese Schandurteile der NS-Justiz während des zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 als offensichtliches Unrecht durch einen Bundestagsbeschluss aufgehoben werden konnten.

Seit 1991 hatte sich die PDS und später DIE LINKE. im Bundestag immer wieder dafür eingesetzt.

Unsere Sprecherin Regine Lück legte in unser aller Namen am Deserteurdenkmal für alle todesmutigen Kriegsverweigerer ein Gebinde mit roten Blüten nieder, das wir aus Rostock mitgebracht hatten.

Anschließend fuhren wir zum Ohlsdorfer Friedhof im Norden Hamburgs zum “Denkmal für die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung“ und von dort aus zum “Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer“, wo auch ein Gedenkstein an Franz Jacob erinnert, einer von etwa 60 beschrifteten Betonsteinen, die in vier Reihen angeordnet sind.

Am Ehrenhain legten wir ebenfalls ein Blumengebinde nieder.

Nach einer 45minütigen Mittagspause fuhren wir zurück in die Hamburger Innenstadt.

Wir kamen dabei an der “Gedenkstätte KolaFu“ (Konzentrationslager Fuhlsbüttel) vorbei, die erst 1987, also 42 Jahre nach Kriegsende eingeweiht wurde.

Auch die “Gedenkstätte Ernst Thälmann“ zeigte uns die Kameradin Ilse Jacob auf unserem Weg zurück ins Zentrum von Hamburg.

Wir gelangten so zum ehemaligen Hannoverschen Bahnhof, der jetzt als Lohsepark bis 2020 zu einem Denkmal mit Museum für die ermordeten Sinti und Roma gestaltet wird.

Die offizielle Bezeichnung ist “denk.mal Hannoverscher Bahnhof“.

Die ersten Bestandteile des Museums wurden im Mai 2017 vom Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz eingeweiht.

Vom Hannoverschen Bahnhof aus wurden in 20 Eisenbahntransporten mindestens 8.012 Juden, Roma und Sinti, zusammengepfercht wie Vieh, in die Konzentrations- und Vernichtungslager geschickt.

Sinti und Roma galten in der BRD noch 1956 in einem Urteil des Bundesgerichtshofs als Asoziale, denen, soweit sie überhaupt das Kriegsende überlebt hatten, und deren Angehörigen keinerlei Entschädigung zustand.

Später besuchten wir noch die Plaza der Elbphilharmonie, von der man aus einer Höhe von 37 m Hamburg nach allen Seiten überblicken kann. Der Rundblick war recht eindrucksvoll.

Wir hatten von 15:30 Uhr bis 16.30 Uhr gebucht, doch eine halbe Stunde genügte den meisten auf der Plattform, die das ganze Gebäude umgibt.

Um 17:00 Uhr begann die Rückreise. Leider gerieten wir in einen Stau, so dass wir noch später als – mit 20:00 Uhr schon großzügig – geplant um 20:30 Uhr zurück am ZOB am Hbf in Rostock waren.

Trotzdem waren alle Mitreisenden mit dem Verlauf der Fahrt voll zufrieden, umso mehr als auch das Wetter mit Sonnenschein aber ohne zu viel Wärme den Tagesablauf sehr begünstigte.

 

 

Details zur Busfahrt findet ihr in der beigefügten pdf-Datei:

Download (PDF, Einladungsschreiben-Hamburg-17-06-17-VVN-BdA-Rostock-2017-05-23-GA.pdf. 372KB)

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